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Donnerstag, 29. Mai 2025

🎠 "Gedankenkarussell – bitte alle aussteigen, ich will schlafen!"

 Kennt ihr das?

Es ist spät. Ich liege im Bett. Die Hunde schnarchen schon selig, mein Mann atmet gleichmässig – und ich? Ich liege wach und denke. Denke und denke. Und dann denke ich noch ein bisschen mehr.

Nicht etwa an Schäfchen oder den Einkaufszettel für morgen. Nein. Ich denke an alles. Gleichzeitig. -
Die Steuererklärung von 2022.
Ob ich wohl irgendwann einen Kirschbaum pflanze.
Was ich der Nachbarin hätte wirklich sagen sollen.
Und plötzlich fällt mir ein, dass ich unbedingt ein neues Projekt starten sollte. Ein Buch schreiben vielleicht. Oder ein Vogelhäuschen bauen. Oder Englisch lernen. Jetzt! Sofort!

So beginnt meine allnächtliche Runde im Gedankenkarussell. Und glaubt mir: Mit ADHS ist das kein Kinderkarussell. Das ist ein voll ausgestatteter Freizeitpark. Mit Achterbahn, Wildwasserbahn und einem drehenden Teetassen-Fahrgeschäft – alles auf einmal.

🚀 Motivation nach 22 Uhr

Irgendwann – so gegen 22:47 Uhr – trifft mich dann die volle Inspiration. Ich habe DIE Idee.
Ich bin motiviert, energiegeladen, bereit die Welt zu verändern!
Aber... es ist spät. Also sage ich mir: „Morgen. Morgen fang ich an.“

Spoiler: Am nächsten Morgen ist die Motivation verschwunden.
Verflogen.
Weg.
Ich stehe da, mit zerknittertem Gesicht, halb vollem Kaffeebecher und dem Gefühl, dass ich irgendetwas richtig Grossartiges machen wollte... aber was war das noch gleich?

🎢 Warum ist das bei ADHS so?

Wissenschaftlich gesehen ist das Gedankenkarussell kein Zufall. Menschen mit ADHS haben eine oft überaktive Gedankenwelt, insbesondere wenn äussere Reize wegfallen – so wie abends im Bett. Das nennt sich auch „kognitive Hyperaktivität“ oder „overthinking deluxe“.

Unser Gehirn fährt nicht runter, sondern sucht sich neue Beschäftigung. Und die findet es – reichlich.
Außerdem ist unser Dopaminhaushalt beteiligt: Abends, wenn der Tag geschafft ist und keine Aufgaben mehr drücken, kann das Gehirn endlich „frei“ denken – aber auch überdrehen. Und dann wirkt jede Idee wie der neue Sinn des Lebens. Für genau 7 Stunden.

🙃 Und was hilft?

Naja, ganz stoppen lässt sich das Karussell nicht. Aber ich habe ein paar Tricks, die manchmal helfen:

  • 🗒️ Notizblock neben dem Bett – Ich schreibe meine „Mitternachtsideen“ auf. Dann kann ich sie loslassen.

  • 🌙 Rituale vorm Schlafen – z. B. lesen, Hörbuch hören oder meditieren (wenn die Bulldoggen nicht schnarchen).

  • 🧘 Gedanken abholen, nicht bekämpfen – Manchmal hilft es, bewusst zu sagen: „Ja hallo, Gedanke XY, schön dass du da bist. Aber wir schlafen jetzt.“

  • Kein Perfektionismus am Morgen – Wenn die Idee am nächsten Tag noch gut klingt, go for it. Wenn nicht – auch okay. Wir dürfen nicht jede Teetassenfahrt ernst nehmen.


💛 Fazit:

Mit ADHS ist das Leben oft wie ein Jahrmarkt: laut, bunt, schnell – und manchmal eben mitten in der Nacht.
Aber weisst du was? Ich bin mittlerweile ganz gut darin geworden, mitzufahren. Und wenn ich mal rausfliege, stehe ich wieder auf, hole mir eine Zuckerwatte (symbolisch) – und drehe weiter meine Runden.

Denn irgendwo zwischen schlaflosen Ideen und morgendlicher Vergesslichkeit lebt auch etwas sehr Schönes: Kreativität. Neugier. Und ein Herz, das nie stillsteht.

Die Gedanken spielen Karussell


Dienstag, 20. Mai 2025

Vergessen, dass ich vergesslich bin – Willkommen im ADHS-Kopfchaos!

 

Neulich stand ich im Flur mit dem Handy in der Hand. Irgendwas wollte ich nachschauen – ich war mir sicher, es war wichtig. Eine Adresse? Ein Rezept? Eine Information, die mein Leben verändern könnte? Stattdessen landete ich auf Instagram, scrollte durch ein Video mit tanzenden Hunden und… tja. Das war’s. Als ich mich wieder fing, starrte ich mein Handy an wie ein Fremdobjekt und dachte: Warum zum Henker habe ich das Ding überhaupt in der Hand?

Willkommen in meinem Alltag mit ADHS.

Vergesslichkeit – auf meine ganz persönliche Art

Bei mir ist es nicht das klassische „Ich hab deinen Geburtstag vergessen“ (okay, auch das), sondern eher die kreative Version von Vergesslichkeit. Ich will etwas nachsehen, gehe mit festem Vorsatz ans Handy – und werde unterwegs von irgendeiner Push-Nachricht, einem bellenden Hund oder meiner eigenen Gedankenflut abgelenkt. Und zack: Das, was ich eigentlich tun wollte, ist einfach… puff… weg.

Und als wäre das nicht schon skurril genug, gibt’s noch das „Ich-verlege-mein-Handy-auf-die-ungewöhnlichste-Art-und-Weise“-Phänomen. Es ist wirklich ein Talent. Ich habe mein Handy schon im Kleiderschrank gefunden, in der Leckerli-Schublade der Hunde, zwischen den Sofakissen, in der Kücheneben der Küchenmaschine  und einmal – ungelogen – in auf der Waschmaschine (zum Glück nicht mit Schleudergang).

ADHS-Gedanken: schnell wie ein Gepard, konsequent wie ein Goldfisch

Unser Gehirn ist ein Wunderwerk der Spontaneität. Es feuert Ideen raus wie ein Silvester-Feuerwerk, nur ohne vorherigen Countdown. Während ich diesen Text schreibe, habe ich bereits dreimal nachgedacht, ob ich die Pflanzen gegossen habe, ob der Paketbote klingelt, ob ich nicht vielleicht doch besser Wäsche zusammenlegen sollte – und, ach ja: Was wollte ich eigentlich sagen?

Humor ist mein Rettungsanker

Ja, es ist frustrierend. Ja, manchmal bringt mich meine eigene Vergesslichkeit an den Rand der Verzweiflung. Aber weißt du was? Ich habe beschlossen, darüber zu lachen – am besten laut. Denn wenn ich mich über jeden verlegten Gegenstand und jede vergessene Info ärgere, komme ich zu nichts anderem mehr.

Mittlerweile gehört der Satz „Wo ist mein Handy?!“ fest zum täglichen Ritual. (Meine Hunde wissen schon, wenn ich hektisch durch die Wohnung stapfe, dass gleich ein Snack rausspringt – weil ich beim Suchen ja wieder in die Leckerli-Schublade greife.)

Was manchmal hilft (und manchmal nicht):

  • Sprachmemos statt Notizen: Wenn ich schnell ins Handy spreche, bevor ich wieder abdrifte, hilft das manchmal. Manchmal finde ich die Memos zwar nie wieder, aber hey – der Wille zählt.
  • Feste Plätze für Chaos-Objekte: Schlüssel, Handy, Hirn (okay, das letzte ist variabel) – alles hat bei mir theoretisch einen Platz. Praktisch… naja.
  • Humor & Nachsicht: Ich bin nicht mein Vergessen. Ich bin die Frau, die trotzdem durch den Tag kommt – mit Hund, Herz und Handy (wenn ich’s finde).

Fazit:
Meine Vergesslichkeit ist keine Schwäche, sondern ein Teil meiner ganz persönlichen ADHS-Choreografie. Sie tanzt mit, stolpert, verliert den Takt – aber sie gehört dazu. Und solange ich irgendwann wieder weiss, was ich eigentlich machen wollte, ist doch alles gut.

Und falls du gerade nicht mehr weisst, warum du diesen Blog gelesen hast – keine Sorge. Willkommen im Club!

Vergeslichkeit


Was, wenn…? – Wenn ADHS und Ängste gemeinsam Karussell fahren

  Ich habe keine Angst vor Monstern unterm Bett. Ich habe Angst vor Zecken. Und vor Flugzeugen. Und vor Autobahnen. Ich habe Angst, dass m...