Sonntag, 8. Juni 2025

"Normal ist langweilig“ – Warum ich nie dazugehören wollte (und was das mit ADHS zu tun hat)

Nächstes Wochenende findet in Interlaken wieder das Greenfield Festival statt – 20 Jahre geballter Rock, Metal, Schweiss und Gänsehaut. Drei Tage lang schreit sich die Masse die Seele aus dem Leib, springt, tanzt, lebt. Und obwohl sich das Event inzwischen etabliert hat, ist es noch immer ein Gegenentwurf zum glattgebügelten Mainstream. Vielleicht liebe ich es gerade deshalb so.

Denn: Ich wollte nie dazugehören.

Ich wollte nie die Norm sein, nie das, was alle sind, nie das, was man „gesellschaftlich erwartet“. Und lange dachte ich, das wäre pure Rebellion – ein pubertärer Trotz, der mir einfach geblieben ist. Aber heute weiss ich: Mein ADHS spielt dabei eine viel grössere Rolle, als ich damals ahnte.

Anders sein liegt in meiner DNA

Schon als Kind habe ich gespürt, dass ich irgendwie nicht reinpasse. Während andere Kinder still auf ihren Plätzen sassen, träumte ich mich aus dem Fenster in andere Welten. Ich war laut, neugierig, chaotisch. Ich stellte zu viele Fragen, verlor ständig meine Sachen, fing Dinge an und vergass sie wieder. Ich war kreativ, aber auch unberechenbar. Und irgendwann wurde mir klar: Ich bin anders.

Mit ADHS bedeutet „anders“ zu sein aber oft auch, sich fehl am Platz zu fühlen. In der Schule, im Beruf, in Freundeskreisen. Du willst dazugehören, aber deine Art zu denken, zu fühlen, zu funktionieren ist einfach nicht kompatibel mit der Norm. Und wenn du es dann doch versuchst – dich anzupassen, zu funktionieren, „normal“ zu sein – kostet das so viel Energie, dass du dich am Ende selbst verlierst.

„Normal“ hat mich nie gerettet

Ich habe es probiert. Mehrmals. Mich „normal“ verhalten. Ordnung halten. Termine einhalten. Smalltalk führen, obwohl mein Kopf gleichzeitig eine Gedanken-Polonaise veranstaltet. Ich habe versucht, mich zu verbiegen, weil ich dachte, dass ich dann „richtig“ bin. Spoiler: Es hat nicht funktioniert. Und vor allem – es hat mich nicht glücklich gemacht.

Erst als ich aufgehört habe, dazugehören zu wollen, fing ich an, mich selbst zu verstehen. ADHS macht mein Leben vielleicht manchmal komplizierter – aber es macht es auch intensiver, bunter, wilder. Genau wie ein Festival. Kein klarer Ablauf, kein ruhiger Fahrplan, aber jede Menge Gefühl, Freiheit, Energie.

Greenfield – mein Symbol für Anderssein

Das Greenfield Festival war für mich immer ein Ort, an dem „anders“ nicht nur akzeptiert, sondern gefeiert wird. Dort trägt niemand Maske (ausser vielleicht im Moshpit), niemand fragt, ob du „funktionierst“. Du bist da, du fühlst, du schreist, du lebst. Und niemand erwartet, dass du dich zusammenreisst.

Dieses Festival steht für vieles, was mir wichtig ist: Freiheit, Echtheit, Unangepasstheit. Vielleicht mag das nach aussen nach Rebellion aussehen – aber für mich ist es einfach: Zugehörigkeit auf meine Art.

ADHS bedeutet nicht, dass ich gegen alles bin. Es bedeutet nur, dass ich oft auf Umwegen durchs Leben gehe – und dass ich den geraden Weg meistens gar nicht sehe. Oder gar nicht will. Denn der ist meistens ziemlich langweilig.

Fazit: Ich bin nicht normal – und das ist gut so

Ich habe mich lange gefragt, warum ich immer „anders“ sein wollte. Heute weiss ich: Weil mein Inneres gar keine andere Wahl hatte. Weil mein ADHS mich nicht in Schubladen denken lässt. Weil ich nicht stillsitzen kann, wenn es etwas zu entdecken gibt. Und weil ich gelernt habe, dass „nicht normal“ nicht gleich „nicht okay“ ist.

Wenn du also dieses Wochenende auf dem Greenfield bist – geniesse es. Feiere dein Chaos, deine Andersartigkeit, dein lautes Herz. Und denk daran: Normal ist wirklich verdammt langweilig.

Rock on. 🤘

 

 

Greenfield, abrocken trotz, oder mit ADHS


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